WEISSER RING e. V.
Menü

"Seine Wutausbrüche haben unsere Partnerschaft zerstört. Mit letzter Kraft habe ich mich getrennt. Endgültig."

Angelika, 48 Jahre

 

Opfer-Telefon 116 006

Das Opfer-Telefon des WEISSEN RINGS. Anonym. Bundesweit. Kostenfrei. Täglich 7 – 22 Uhr.

Beratung vor Ort

Persönliche Ansprechpartner einer Außenstelle des WEISSEN RINGS hören Ihnen zu und geben Rat.

Onlineberatung

Die Mailberatung des WEISSEN RINGS. Anonym. Bundesweit. Kostenfrei.

Häusliche Gewalt.
Wenn aus Liebe Verachtung wird

„Das soll das Abendessen sein?", fragt Jörg verächtlich, bevor er den Teller mit dem Unterarm vom Tisch fegt. Es scheppert laut. Was dann folgt, wird Angelika nicht mehr vergessen. Der Mann, in den sie sich erst vor wenigen Monaten verliebt hatte, schlägt ihr heftig mit der flachen Hand ins Gesicht.

Es ist die erste Ohrfeige ihres Lebens. Und während Jörg sich danach wortlos vor den Fernseher setzt, kehrt Angelika die Scherben zusammen. Eingeschüchtert, gekränkt und hilflos. An diesem Tag ist auch an ihrer Psyche etwas zu Bruch gegangen...

Foto Titel: Fotolia #121383191, Foto Story: Pixabay- free-photos

Wenn es nicht mehr aufhört

Niemals hätte Angelika gedacht, dass ihr so etwas passiert. Die Wutausbrüche und Übergriffe von Jörg werden häufiger. Bald gehören sie zum Alltag. Genau wie seine Entschuldigungen und die Blumensträuße, die er mitbringt und unter Tränen beteuert, nicht mehr die Beherrschung zu verlieren. Sie glaubt ihm und hofft - doch es ist ein Teufelskreis.

Angelika ist leider kein Einzelfall. Laut Bundeskriminalamt wurden allein im Jahr 2015 fast 130.000 Frauen und annähernd 25.000 Männer Opfer von häuslicher Gewalt bzw. Partnerschaftsgewalt. Dabei liegt die Dunkelziffer noch deutlich höher.

Wenn Gewalt die Kontrolle übernimmt

Die gewalttätige Seite des Partners zeigt sich erst nach und nach. So auch bei Jörg. Warum musst du denn allein irgendwo hingehen? Ich bin doch da. Oder: Du brauchst doch kein eigenes Auto, ich gebe dir meins. So fing es an. Die Erklärungen, die er lieferte, klangen schlüssig. Also machte sie mit. Irgendwann besaß Angelika kein eigenes Handy mehr und kündigte sogar ihren Job.

Aus Liebe und Fürsorge wurde schleichend Misstrauen, Eifersucht und Gewalt. Jörg gewann zunehmend mehr Kontrolle über ihr Leben.

Häusliche Gewalt hat viele Formen: Tritte, Schläge oder unfreiwillige sexuelle Handlungen. Aber auch Nötigungen, Beleidigungen oder Demütigungen gehören dazu. Das heimtückische an dieser Gewalt: sie findet hinter verschlossenen Türen statt, im privaten Raum, und ist für andere meist unsichtbar.

Wenn man völlig isoliert wird und allein ist

Unsichtbar werden mit der Zeit auch die Opfer selbst. Durch den stetigen Kontrollverlust und die immer größer werdende Abhängigkeit verlor Angelika den Anschluss an ihr Umfeld. Sie zog sich zurück und litt gleichzeitig unter sozialer Isolation. Freundinnen konnte bzw. durfte sie allein nicht mehr treffen. Telefonieren war schwierig, weil Jörg die Rechnungen kontrollierte.

Gemeinsam schaffen wir das

Gedemütigt, geschlagen, verletzt: Opfer häuslicher Gewalt leiden oft jahrelang unter dem Verhalten und den Demütigungen der gewalttätigen Partner. Vielen Opfern fällt es schwer, sich jemandem anzuvertrauen – zu groß ist die Scham. Dabei brauchen sie dringend ein Ohr, das zuhört, und eine Hand, die sie aus der Not führt. Und genau hier setzt die Arbeit des WEISSEN RINGS an.

Häusliche Gewalt kommt querbeet in allen Altersklassen und Bevölkerungsschichten vor, egal ob in Arbeiter- oder Akademikerfamilien. Trotzdem gilt das Sprechen darüber als Tabu. Niemand gibt gern zu, dass die heile Welt der Familie gar nicht so heil ist, wie sie nach außen hin oft scheint. Auch Angelika hat lange gebraucht bis sie sich Hilfe geholt hat.


So hilft der WEISSE RING:

Beim WEISSEN RING haben Sie vor Ort eine/n persönliche/n Ansprechpartner/in. Wir unterstützen Sie dabei, aus Ihrer Situation herauszufinden.

Wir stehen an Ihrer Seite, beispielsweise durch emotionalen Beistand und Begleitung zu Polizei-, Gerichts- und Behördenterminen.

Es ist uns möglich, Ihnen unkompliziert Hilfe zugänglich zu machen durch einen

  • Hilfescheck für eine psychotraumatologische Erstberatung
  • Hilfescheck für eine anwaltliche Erstberatung

Wir unterstützen Sie bei der Durchsetzung des Gewaltschutzgesetzes und zeigen, welche rechtlichen Mittel es gibt, zum Beispiel

  • Annäherungsverbote
  • die Untersagung von Anrufen oder Textnachrichten
  • die Möglichkeit einer befristeten Überlassung der gemeinsam genutzten Wohnung. Sogar unabhängig von den vertraglichen Eigentums- oder Mietverhältnissen.

Daneben haben wir in bestimmten Fällen  auch finanzielle Hilfsmöglichkeiten. Beispiele hierfür sind die

  • Unterstützung bei einem Umzug
  • Unterstützung bei der Wohnungseinrichtung
  • Hilfe zur Überbrückung tatbedingter Notlagen, z. B. wenn bei einer Trennung das Einkommen des Täters wegbricht

Wir können Sie auch unterstützen, wenn Sie einen Antrag nach dem Opferentschädigungsgesetz (OEG) stellen möchten. Daneben vermitteln wir auch Hilfen bei anderen Anlaufstellen.